Pfarrer Gebhard Lutz (1926-2020). Biographische Notizen

Pfarrer Gebhard Lutz (1926-2020). Biographische Notizen

Zum Jubiläum der Kirchengemeinde St. Gebhard haben wir eine kurze biographische Notiz über Pfarrer Gebhard Lutz vorbereitet. Er war der Seelsorger, der die katholische Gemeinde in Mittelstadt maßgeblich aufgebaut und die Kirche St. Gebhard gegründet hat. Die folgenden Zeilen erinnern an sein Leben und sein Wirken als Priester und Seelsorger.


Gebhard Lutz wurde am 23. April 1926 in Tübingen geboren und wuchs in Niederalfingen bei Hüttlingen auf. Seine Gymnasialzeit absolvierte er zunächst in Ellwangen, anschließend in Ehingen an der Donau, wo er im Bischöflichen Konvikt lebte.

In der 11. Klasse wurde er nach dem Notabitur als 17-Jähriger zum Reichsarbeitsdienst eingezogen.

Ein Jahr später, im April 1945, kam er noch an die Front. Bei Kriegsende geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im Lager Neu-Ulm befanden sich unter den Mitgefangenen auch Joseph Ratzinger (der spätere Papst Benedikt XVI.) und der Schriftsteller Günter Grass, wie Lutz später erfuhr.

Bereits im Wintersemester 1945 konnte Gebhard Lutz sein Studium der katholischen Theologie an der Universität Tübingen aufnehmen. Er studierte dort bis 1949. Am 27. August 1950 wurde er im Dom zu Rottenburg durch Weihbischof Franz Josef Fischer zum Priester geweiht.

Seine Primiz feierte er in Hüttlingen.

Nach der Priesterweihe war Gebhard Lutz zunächst als Vikar in Biberach an der Riß (St. Martin) und anschließend in Stuttgart-Zuffenhausen (St. Antonius) tätig.

Bereits 1953 wurde er mit der Leitung der neu gegründeten katholischen Gemeinde St. Paulus in Neckartenzlingen beauftragt. Dort wirkte er zunächst als Kurat, später als Pfarrverweser und schließlich als Pfarrer.

Seine Tätigkeit in Neckartenzlingen dauerte 25 Jahre.

Während dieser Zeit entstanden unter seiner Leitung vier Kirchen:

  • Neckartenzlingen
  • Neckartailfingen
  • Bempflingen
  • Mittelstadt

Im Jahr 1978 wechselte Gebhard Lutz als Pfarrer nach St. Josef in Urach, das später in Bad Urach umbenannt wurde.

Dort wirkte er 24 Jahre bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2002.

Während dieser Zeit engagierte er sich besonders für die künstlerische Ausstattung der Kirchen in Bad Urach und Dettingen/Erms sowie für die Förderung kirchlicher Kunst. Aus seiner Freundschaft mit dem Künstlerpfarrer Sieger Köder entstand der „Uracher Altar“.

2005 wurde außerdem ein weiteres Werk Köders in der Kirche St. Josef installiert: „Völker wallen zum himmlischen Jerusalem“.

Ein weiteres wichtiges Anliegen seiner Amtszeit waren Missionspartnerschaften, insbesondere auf der Insel Timor und in Ashera (Eritrea). Zu diesen Partnerschaften hielt er auch später engen Kontakt und besuchte die Gemeinden mehrfach.

Nach seiner Pensionierung im August 2002 zog Gebhard Lutz als Ruhestandsgeistlicher in das Pfarrhaus in Hofen. Auch im Ruhestand blieb er seelsorglich sehr aktiv.

Er unterstützte besonders die Gemeinden St. Georg in Hofen und St. Stephanus in Wasseralfingen sowie weitere Gemeinden im Dekanat Ostalb.

Neben den Gottesdiensten hielt er zahlreiche Vorträge, veranstaltete Bibelabende und Gesprächsabende über den Glauben. Der persönliche Kontakt zu den Menschen war ihm dabei besonders wichtig.

Sein besonderes Anliegen galt den „Armen und den Menschen am Rand der Gesellschaft“.

Zu seinen persönlichen Interessen gehörten Surfen, Skifahren – vor allem schwungvolle Abfahrten – sowie das Orgelspiel. Außerdem war er aktives Mitglied im Bund Neudeutschland, der ihn seit seiner Konviktszeit in Ehingen geprägt hatte.

Im Mai 2020 erlitt Gebhard Lutz einen Schlaganfall. Seitdem war er auf einen Rollstuhl angewiesen und befand sich zuletzt in Kurzzeitpflege im Seniorenheim Marienhöhe in Wasseralfingen.

Am 5. Dezember 2020 starb Pfarrer i. R. Gebhard Lutz im Alter von 94 Jahren in Wasseralfingen.



Quellen:

Schwäbische Post:

Schwäbische Zeitung:

Autor des Textes: Aleksei Volchkov
Fotos: Archiv der Kirchengemeinde St. Gebhard