Schon im Regionalzug von Tübingen nach Rottenburg war die besondere Atmosphäre des Tages spürbar. Zwischen den Fahrgästen fielen Worte wie Dekanat, Diakon, Pfarrhaus oder Kirchengemeinderat. Viele waren auf dem Weg zum Berufsgruppentag „Kirche der Zukunft“ und nutzten bereits die Zugfahrt für angeregte Gespräche über ihre pastorale Arbeit und die Zukunft der Kirche.
Zu den Begegnungsveranstaltungen im Rahmen des Prozesses „Kirche der Zukunft“ hatte die Diözese Rottenburg-Stuttgart alle pastoralen Berufsgruppen eingeladen: Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferent:innen, Mitarbeitende pastoraler Profilstellen, weitere Berufe im kirchlichen Dienst sowie Dekanatsreferent:innen. Aufgrund des großen Interesses wurden zwei identische Veranstaltungstage angeboten – am 24. Juni und 30. Juni 2026 im Bischofshaus in Rottenburg.

Die Seelsorgeeinheit Reutlingen-Nord wurde vertreten durch Pfarrer Dietmar Hermann, Gemeindereferentin Veronika Tiliné-Vitéz sowie Aleksei Volchkov, Referent für Engagemententwicklung. Die vietnamesische Gemeinde war durch Pfarrer P. Josef Hanh Huynh Cong vertreten.
Empfangen wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von einem einladenden Zelt im Park des Bischofshauses. Bei Kaffee, Tee, Kaltgetränken und Brezeln blieb genügend Zeit für persönliche Begegnungen und den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus allen Regionen der Diözese.

Den offiziellen Auftakt gestaltete Bischof Dr. Klaus Krämer. Der geistliche Impuls wurde von Regina Seneca, Leiterin der Hauptabteilung V – Pastorales Personal, übernommen. Das gemeinsame Lied „Lobe den Herrn, meine Seele“ (Text und Melodie: Norbert Kissel, Satz: Gerhardt Ziegler) verlieh der Veranstaltung einen geistlichen Rahmen und stimmte auf die anschließenden Beratungen ein.
Nach Informationen zum aktuellen Stand des Prozesses „Kirche der Zukunft“ begann die Arbeit in Workshops. Die Vertreterinnen und Vertreter der Seelsorgeeinheit Reutlingen-Nord beschäftigten sich gemeinsam mit Diakon Dr. Michael Wollek aus dem Pastoralteam der Seelsorgeeinheit Reutlingen Mitte/Eningen mit einem Thesenpapier zur Gründungsvereinbarung der zukünftigen neuen Kirchengemeinde (nKG).
Im Mittelpunkt standen Fragen nach dem zukünftigen Profil der neuen Kirchengemeinden: Welche gemeinsame Vision soll sie tragen? Welche pastoralen Schwerpunkte sollen gesetzt werden? Wie können die verschiedenen Kirchorte miteinander verbunden werden? Ebenso wurden organisatorische Themen wie Verwaltung, Prävention, Finanzen, Immobilien sowie Kooperationen mit anderen kirchlichen und gesellschaftlichen Akteuren diskutiert. Die Ergebnisse der einzelnen Tischgruppen wurden am Nachmittag im Plenum vorgestellt.

Ein besonderer Höhepunkt der Veranstaltung war die Talkrunde mit Bischof Dr. Klaus Krämer, Generalvikar Dr. Clemens Stroppel, Weihbischof Matthäus Karrer, Domkapitular Holger Winterholer und Regina Seneca. Die Teilnehmenden konnten ihre Fragen unmittelbar an die Bistumsleitung richten und mit ihr über Chancen und Herausforderungen des Reformprozesses ins Gespräch kommen.
Besonders großes Interesse fand die Frage, woher die Kirche angesichts knapper werdender personeller und finanzieller Ressourcen die Kraft für die notwendigen Veränderungen nehmen könne. Bischof Klaus Krämer antwortete:
„Wir müssen unsere Strukturen so gestalten und Schwerpunkte so setzen, dass Kräfte und Ressourcen frei werden. Nur wenn uns das gelingt, können wir uns stärker auf das konzentrieren, was den eigentlichen Auftrag der Kirche ausmacht.“
Diese Antwort griff einen Gedanken auf, der sich wie ein roter Faden durch den gesamten Begegnungstag zog: Strukturelle Veränderungen sind kein Selbstzweck, sondern sollen dazu dienen, Zeit, Aufmerksamkeit und personelle Ressourcen für das pastorale Handeln und die Verkündigung des Evangeliums zu gewinnen.

Nach einem gemeinsamen Mittagsgebet, dem Mittagessen und den Präsentationen der Workshop-Ergebnisse endete die Begegnungsveranstaltung mit dem gemeinsamen Weg in den Rottenburger Dom. Dort feierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer um 15.30 Uhr gemeinsam mit Bischof Klaus Krämer die Eucharistie und schlossen den Tag im Gebet ab.
Der Berufsgruppentag machte deutlich, dass der Prozess „Kirche der Zukunft“ nicht nur organisatorische Veränderungen umfasst. Er lebt ebenso vom persönlichen Austausch, vom gemeinsamen Nachdenken und von der Bereitschaft, Verantwortung für die Zukunft der Kirche in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gemeinsam zu übernehmen.
Text, Fotos: Aleksei Volchkov

