Workshop der Ideen – Was tut mir so gut, dass ich es gerne auch anderen anbieten möchte?

Unter dieser Fragestellung könnte sich die Motivation für ein ehrenamtliches Engagement in der Kirchengemeinde auf ein anderes Fundament als bisher stellen und neue Ideen reifen lassen. Zu einem ersten Ideenaustausch trafen sich am 16.4. circa 30 am Leben der Kirche Interessierte im Franziskussaal in Pliezhausen.

Pfarrer Dietmar Hermann, Wolfgang Lachenmann vom KGR und Bernhard Pertenbreiter, beruflich im BO Rottenburg damit befasst und bei uns ehrenamtlicher Wortgottesdienstleiter, führten ein und moderierten die Diskussion.

Nach einem animierenden Video aus Paderborn, das mögliche kirchliche Entwicklungen vor Ort abbildete, schilderte Wolfgang Lachenmann in einer Power-Point-Präsentation den Ausgangspunkt der momentanen Diskussion im Dekanat Reutlingen-Zwiefalten und gab einen Ausblick auf den Weg zur zukünftigen „Seelsorge in neuen Strukturen“.

So werden die derzeit 1020 Kirchengemeinden in Zukunft in 50 bis 80 „Neue Kirchengemeinden“ zusammengefasst werden, was durchaus auch Gestaltungsräume eröffnen kann, vorausgesetzt, es finden sich engagierte Ehrenamtliche. Für diese Aufgabe haben wir in unserer Seelsorgeeinheit eine Stelle mit einem Referenten für Engagement-Entwicklung besetzen können. Dr. Aleksei Volchkov wird uns im Prozess der Neu-Orientierung begleiten und Hilfestellung anbieten, wann und wo immer dies gewünscht wird.

Zunächst heißt es jedoch, aufgrund nötiger struktureller Veränderungen als Folge von Geld- und Pastoralmangel, von einer Kirche, wie wir sie bisher kannten, Abschied zu nehmen und sich möglichst offen und vorurteilsfrei der Situation zu stellen.

Bis zum Zweiten Vaticanum war Kirche quasi ein bekannter lieb gewordener „Verein“, in den man hineingewachsen und der einem vertraut war. Mit dem abnehmenden Kirchenbesuch der Mitglieder hat sich der Begegnungsort Kirche jedoch verändert. Für einige ist Kirche immer noch ein Bleibeort, den sie regelmäßig und gewohnheitsmäßig aufsuchen und an dem sie sich wohl fühlen. Für eine größer werdende Zahl ist Kirche nur noch ein zeitweiliger Verweilort anlässlich bestimmter Ereignisse im Leben, wie Taufe Firmung oder Eheschließung. Für eine dritte Gruppe schließlich ist Kirche einer der vielen Kontaktorte, die gelegentlich aufgesucht werden, wenn beispielsweise zu Ostern oder Weihnachten eine Messe gesungen wird.

Die wichtigste Frage, die sich in dieser Situation stellt, lautet: Wie können wir als Kirche lebendig bleiben?

Und weiter: Was haben wir schon? Was können wir besonders gut? Wo können wir Ressourcen bündeln? Was könnte (n) die Leitlinie(n) für die Zukunft unserer Gemeinde sein? Aus den verschiedenen Diskussionsbeiträgen ergeben sich zusammengefasst drei Anregungen:

  1. Sich vernetzen (ökumenisch und allgemein sozial), um Schwerpunkte setzen zu können.
  2. Mögliche Gestaltungsräume suchen (z.B. Armutsbekämpfung, Vereinzelung aufbrechen, Familien stärken etc.)
  3. Als Ausgangspunkt für zukünftige Gespräche in Kleingruppen werden gerade alle im Moment existierenden Projekte und Teams auf der Homepage aktualisiert.

Wie sagte doch eine Teilnehmerin zum Schluss? Es ist ein starkes Umdenken gefordert: Die Kirche lebt nicht mehr davon, was Pfarrer oder Hauptamtliche anbieten, sondern von ihren Mitgliedern, die andere an ihren Ideen teilhaben lassen und mit ihnen gemeinsam diese verwirklichen.

 (Angela Madaus)