Kirche der Zukunft

Die Diözese wird künftig aus 50-80 Verwaltungseinheiten, sogenannten „neuen Kirchengemeinden“ bestehen. Sie werden die bisherigen Kirchengemeinden als Körperschaften des öffentlichen Rechts ersetzen – aus 1023 Kirchengemeinden werden also 50 bis 80, ähnlich, wie das in anderen Diözesen Deutschlands auch gemacht wurde.

Grund für diese Veränderungen ist, dass die Zahl der Kirchenmitglieder, Kirchensteuereinnahmen und auch der Nachwuchs an Personal – nicht nur der Priester – sinken. Damit trotzdem noch Seelsorge optimal möglich bleibt, muss also die Verwaltung verschlankt werden, so dass haupt- wie auch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich deutlich weniger Zeit mit Verwaltungsaufgaben beschäftigen müssen. Außerdem werden sie durch Verwaltungsbeauftragte entlastet, die sich um die vielfältigen Aufgaben der Kirchenleitung professionell kümmern werden. Eine diözesane Digitalisierungs-Strategie soll darüber hinaus viele Verwaltungs-Abläufe vereinfachen.

Frischer Wind in alte Strukturen

Aber was heißt das konkret vor Ort? Bei ca. 1,6 Millionen Katholiken in der Diözese entsprechen 50 Einheiten einem Durchschnitt von etwa 30.000 Mitgliedern. Werden wir unsere Kirche, unsere Ansprechpartner vor Ort verlieren? „Es ist mir bewusst und ich verstehe es sehr gut, dass die anstehenden Veränderungen auch Sorgen und Skepsis auslösen und uns allen viel abverlangen“, sagt Bischof Klaus Krämer.

Aber durch den Veränderungsprozess, der jetzt notgedrungen beginnt, kommt auch frischer Wind in teilweise veraltete Strukturen. Ob das dem Gemeindeleben schaden oder vielleicht eher nützen wird, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Der parallel laufende Gebäudeprozess, in dem 30% der nichtsakralen Gebäude veräußert werden sollen, scheint jedenfalls erst einmal darauf hinauszulaufen, dass im Reutlinger Bereich kein einziger Gemeinderaum geschlossen werden muss.

Es wird nicht nur auf uns selbst ankommen

Die Entscheidung über die Größe der Verwaltungseinheiten ist erst der Beginn und der Anstoß für die Überlegungen vor Ort,

  1. welche aktuellen Kirchengemeinden zusammenpassen und
  2. wie das alles dann organisiert wird.

Hierbei wird viel zusammenwachsen. Beispielsweise ist neben der Beteiligung aller Kirchengemeinden auch die der muttersprachlichen vorgesehen. Als „Kirchorte“ wird zukünftig nicht nur die Orts-Gemeinde betrachtet, sondern auch kirchliche Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Caritas, Katholische Erwachsenenbildung und vieles mehr.

Wir haben einen Bischof, dem die sogenannte „synodale“ Verfasstheit der Kirche sehr wichtig ist: Das Wachsen von Entscheidungen und Entwicklungen von unten nach oben und die Beteiligung aller daran. Es wird also auf uns alle ankommen, was wir daraus machen. Entscheidend wird sein, aufeinander zuzugehen, ein Miteinander und Netzwerke zu pflegen, und nicht zu meinen, nur weil die Zeit der Volkskirche zu Ende geht, würde Gott aufhören seine Kirche aufzubauen und zu führen.

Jochen Frank

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