Ökumenisch im Arbeitskreis christlicher Kirchen (ACK) verbunden, luden in diesem Krisenjahr 2021 die katholische, die evangelische, die evangelisch-methodistische und die neuapostolische Kirche in Pliezhausen alle Mitbürger – und vor allem auch die Kinder – zu einem erlebnisreichen und kindgerecht gestalteten Kreuzweg ein, der von Karfreitag bis Ostersonntag mit dem Schaf „Mecki“ über 9 Stationen an öffentlichen Plätzen und den 4 Kirchen vor Ort begangen werden konnte.

Und die Resonanz war riesig: Mehr als 300 Menschen machten sich allein am Karfreitag auf den Weg, der, ausgehend von Jesu Einzug in Jerusalem auf einem (Draht-)Esel, über den Abendmahlssaal (in der Martinskirche) und den Garten Gethsemane (bei der Friedenskirche) zur Hinrichtungsstätte auf den Kalvarienberg und dann wieder hinunter zum leeren Grab (vor der Franziskuskirche) führte. Väter und Mütter lasen ihren Kindern an den verschiedenen Stationen die Etappen der Leidensgeschichte Jesu vor oder die Kinder ließen sich vom Schaf Mecki erzählen, was an der jeweiligen Station dargestellt wurde und erfuhren so einfühlsam konkret, wie sich die Hosanna-Begeisterung der Menge vom Palmsonntag zum Wutgeschrei „Kreuzige ihn!“ am Karfreitag steigerte. Aber – der Weg fand sein Ende nicht am beziehungsweise im Grab, sondern tröstlich in einem frühlingshaften Blütenmeer als Symbol der Auferstehung.

Meine ganz persönlichen Empfindungen: die Trostlosigkeit und Verlassenheit Jesu im Garten Gethsemane, seine brutale, bürokratisch durchexerzierte Kreuzigung nach Sklavenart auf der Anhöhe am Bachenberg – im Kontrast zu dem wunderbaren Ausblick dort oben bis nach  Grafenberg – und schließlich das leere Grab mit dem überdimensionierten Engel – dem Engel der Wegweisung und der Hoffnung!

Angela Madaus                                                                     03-04 -2021

 

 

Und hier der Weg aus der Sicht einer Besucherin:
Am Karsamstag bin ich mit meinem Mann den Weg gegangen. Wir waren beide sehr beeindruckt von den kreativen Ideen, den Anregungen und Anstößen zum Nachdenken, der Mühe in der Ausgestaltung der Stationen mit Liebe zum Detail und den vielen “Stationswächtern”, die immer wieder Hinweise gaben.
Schon zu Beginn gab es ein “wow” beim Blick auf den Marktplatz! Der Anblick hat beeindruckt, dann aber auch gleich zum Nach- und Mitdenken angeregt. Von eine Bekannten, die religiös nicht geprägt ist, habe ich gehört,  wichtig schon an dieser Station die aufmerksamen Posten waren, denn diese Bekannte konnte die Schuhe nicht einordnen – wurde dann aber eingeführt in die Gedanken.
Die Station “Abendmahl” war sehr prunkvoll gestaltet. Auf den ersten Blick hat  genau das fasziniert – erst danach kam die Frage, ob das so angebracht war oder ob das Abendmahl auch schlichter hätte dargestellt werden können. Die Personen, die in Bildern und Texten am Abendmahlstisch saßen, haben mich überrascht; eine spannende Umdeutung, die Texte durchweg ansprechend. Mich hat diese Station fragen lassen: was hat sich das Vorbereitungsteam dabei gedacht? Dazu habe ich keinen Hinweis in Erinnerung.
Sparsam war die Station “Fußwaschung gestaltet – um so mehr hat sie mich zum Nachdenken mit guten provokativen Fragen gebracht.
Im Hin und Herr im Garten Getsemani konnte aller Zweifel nachempfunden werden – viele Details luden zum genauen Schauen und Denken ein – nett auch die angedeuteten Personen ( Schlafende Jünger )
An der Station: “er trägt auch deine Last” konnte ich diesen Satz gut mitnehmen; mit der schnellen Betonung, dass die Liebe das Kreuz erleichtert ( so kam es bei mir an ) habe ich mich schwer getan, da kann ich mir auch gut vorstellen, dieses Leid erstmal aus- und durchzuhalten.
Auch wenn`s anstrengend war: die Kreuze tatsächlich hoch am Berg aufzustellen – eine gute Idee.
Insgesamt war der Weg sehr lang und dadurch auch mühsam – aber es war spannend ihn zu gehen.
Immer waren Kinder und Erwachsene angesprochen, jeder konnte etwas mitnehmen. An vielen Stationen war nicht nur durch Hören, Lesen und Sehen sondern auch durch Schmecken und Tun ( Garten / Grab ) möglich, sich ganz in die Passions- und Auferstehungsgeschichte mit hineinnehmen zu lassen.
Auf dem Heimweg hatte ich den Eindruck, ganz Pliezhausen ist durch diesen Weg belebt worden – so viele bewegten sich auf den Straßen.
Mich erfreut besonders auch der Gedanke, dass alle christlichen Kirchen in Pliezhausen zusammen dieses Projekt geschultert haben und solch eine Kooperation möglich war.
Noch einmal: herzlichen Dank – und vielleicht ist das der Anfang für weitere gemeinsame Projekte der ACK in diesem Format.

Brunhilde Leyener