Würden wir die 91 Kinder und 45 Helferinnen und Helfer, die am 22. Oktober 2016 in der Martinskirche zusammenkamen, die Stadt unserer Zukunft gestalten lassen, so brauchte uns allen nicht bange zu sein. In dieser Stadt würde garantiert jeder etwas finden, das sein Herz begehrt.

Bunte, vielgestaltige Häuser mit Vordächern, Fensterläden, Balkonen aller Art, mit Dachterrassen, Erker, Vorgärten, Briefkästen, ja, sogar mit Katzenklappen und Hundezwinger hatten die Kinder aufgebaut. Kein Haus glich dem anderen und doch passten alle irgendwie zusammen. Natürlich bestand die Stadt der Kinder nicht nur aus Wohnhäusern. Es gab alles, was eine richtige Stadt braucht, damit sich alle Bewohner wohl fühlen können. Da gab es einen Bahnhof, ein Rathaus, ein Krankenhaus, ein Fußballstadion, einen Zoo, ein Schwimmbad, einen Ponyhof, ja sogar einen Hafen mit Schiffen, ein Eiskaffee und ein Zuckerwattehäuschen, eine Tankstelle und den Feuerwehrturm, einen Supermarkt und natürlich eine Kirche, die nur vom Hochhaus mit seiner Aussichtsplattform überragt wurde. Es gab tolle Autos und einen Eisverkaufswagen, Parkanlagen mit Bäumen und Sträuchern und viele, viele bunte Blumen. Wie gesagt: es gab alles, sogar eine Schule. Allerdings kein Pflegeheim. Wer wollte es den Kindern verübeln, dass sie diese Einrichtung vergessen hatten! Die 6 bis 12-jährigen Baumeisterinnen und Baumeister  waren mit so viel Eifer, Einfallsreichtum, Geschick, Geduld und Ausdauer bei der Arbeit, dass ihre Gesichter glühten vor Aufregung und die Zeit schneller davon lief als allen lieb war.

Der diesjährige Kinderbibeltag, zu dem die evangelische, evangelisch-methodistische und die katholische Kirchengemeinde von Mittelstadt eingeladen hatten, stand unter dem Motto: „Komm, bau mit an unserer Lego-Stadt!“
Dass so viele Kinder dem Aufruf gefolgt waren, hatte die Organisatoren gehörig ins Schwitzen gebracht, natürlich ebenso erfreut. Aber es bedurfte einer ausgeklügelten Logistik mit detailliertem Zeit-, Raum- und Einsatzplan, um einen einigermaßen reibungslosen Ablauf garantieren zu können. So hatte das Kernteam viele ehrenamtliche Stunden investiert, um Inhalt, Ablauf und alle Utensilien zusammen zu tragen. Bei der EmK konnten riesige Kisten mit Legobausteinen, unzähligem Zubehör und eine meterlange Bauplatte ausgeliehen werden. Als Pausenfüller standen vielerlei Spiel- und Beschäftigungsangebote bereit, die allerdings nur wenig zum Einsatz kamen. Zu intensiv waren alle mit dem Bauen beschäftigt.

Zwischen den zwei Bauphasen vor und nach dem Mittagessen wurden die Kinder durch 6 Erlebnisstationen geführt, in denen sie über eigene Erfahrungen berichten und spielerisch neue Erfahrungen machen sollten. Dabei konnten sie erleben, was glücklich macht. Sie fanden heraus, dass diejenigen glücklich sind,

  • die einander vertrauen
  • die aufeinander Acht geben
  • die miteinander Spaß haben
  • die sich für Gerechtigkeit einsetzen
  • die zu einer Gemeinschaft gehören und
  • die geliebt werden. Die Kinder bauten in Kleingruppen. Deshalb mussten sie sich beraten, abstimmen, einigen, die Arbeit teilen, auch Erfolg und Missgeschick und natürlich die Freude. Sie taten das ganz selbstverständlich, ohne Streit, ohne Neid, ohne Gewalt. Die Helfer unterstützten sie bei Bedarf, gaben Sicherheit, Orientierung und manche Tipps. Es war ein Vergnügen, diese fröhliche, lebendige, gedeihliche Atmosphäre zu erleben. Den Rahmen bildeten gemeinsame Lieder, Gebete, ein lustiges Dalli Klick zu Mittelstadt und zum Abschied Gottes Segen. Jedes Kind durfte einen Erinnerungsbaustein mit nach Hause nehmen. Vor allem aber nahmen sie die Begeisterung über das Gelungene mit nach Hause und die Freude über diesen schönen Tag. Am Sonntag, den 23. Oktober fand der Kinderbibeltag seinen Abschluss in einem ökumenischen Familiengottesdienst. Dem Team und Pfarrerin Gerlinde Henrichsmeyer gelang es, die fröhliche, hoffnungsvolle Atmosphäre vom Vortag aufleben zu lassen und der ganzen Gemeinde die christliche Botschaft mitzugeben, dass nur Bestand hat, was auf einem festen Fundament gebaut ist. Dieses Fundament heißt Gottvertrauen. Es beinhaltet Zuversicht und Verpflichtung, schenkt uns Gelassenheit und fordert Achtsamkeit, einer für den anderen und jeder auch für sich selbst. G.Ralle.
    Der Gottesdienst endete mit einem großen, herzlichen Dankeschön an alle, die mitgeholfen hatten, diesen ökumenischen Kinderbibeltag zu einem Ereignis werden zu lassen, an das sich alle gern erinnern werden. Alles klappte wie am Schnürchen. Sogar die Technik funktionierte wie erwartet. Die Organisatoren hatten an alles gedacht, alles war bestens vorbereitet, das Programm klug zusammengestellt. Es gab keinen Leerlauf, kein Chaos, keine Unfälle. Das Küchenteam bewirtete mit Hotdogs, Käsebrötchen, leckeren Apfelschnitzen und anderer Rohkost. Der ökumenische Kinderbibeltag lebt selbst von Beziehungen. Das konnte jeder spüren. Auf diese Weise wurde allen Teilnehmern vor Augen geführt, dass auch die schönste und reichste Stadt ihre Bewohner nicht glücklich machen kann, wenn die sich nicht aufeinander beziehen.