Die Tradition der Weihnachtskrippe geht auf den heiligen Franziskus zurück. Im 16. Jhdt. sorgten die Jesuiten für eine europaweite Verbreitung dieses Brauches. Seit dem 19. Jhdt. gibt es Hauskrippen aus Gips, Ton oder Holz, und in vielen Haushalten gehört eine kleine oder größere Krippe noch heute zur weihnachtlichen Tradition. Die Krippenfiguren stehen einerseits in einer bibelhistorischen Tradition, lassen aber andererseits Spielräume für individuelle Deutung und landestypische Ausformung. Aus Frankreich stammen z.B. die bekannten Santons – „kleine Heilige“ wie Müller, Jäger oder Reisigsammlerinnen aus bemaltem Ton, die unterschiedliche Gaben zur Krippe bringen.Ein nicht alltägliches Krippenarrangement ist in der Sankt Franziskus Kirche in Pliezhausen zu bewundern. Das auf einem Höhenrücken gelegene Dorf Bethlehem abseits großer Knotenpunkte wurde topographisch liebevoll von Rolf Kimmerle in Szene gesetzt: wellenförmig steigt die Landschaft an, auf den fruchtbaren Weideflächen grasen Schafe, und schließlich wird der Blick durch indirektes Licht in die Höhe, auf das Geburtsgeschehen gelenkt: das Kind Jesus im Stall in der Krippe mit Maria und Josef ihm zur Seite, die drei Weisen davor. So weit, so bekannt. Aber spätestens hier stutzt der Betrachter, denn einiges ist doch anders als bei herkömmlichen Krippendarstellungen. So wurde die Szenerie choreographisch als eindrucksvolles Panorama vielerlei Figuren arrangiert, bunte Stoffe überall, auf Turbanen und Tiersätteln, im Vordergrund sogar eine rosa gewandete Ballerina,- wie sich herausstellte, das Jesuskind der Vorgängerkrippe, sozusagen modern umfunktioniert!
Des Rätsels Lösung: die Krippenfiguren waren ein Projekt der Abschlussklasse der Realschule der gewerblichen Schule Metzingen, Fachbereich Textil. Unter Leitung von Frau Hansmann hatten die 9 Schülerinnen und 2 Schüler in wochenlanger Arbeit und „mit Liebe“ (so ein beteiligter Schüler aus Palästina) versucht, das Geburtsgeschehen in die heutige Zeit zu übertragen. Sie gingen dabei kreativ zu Werke und setzten zum Teil eigene Schwerpunkte. So sind die drei Magier festlich orientalisch gewandet in Gold und Silber, die drei Engel haben Flügel aus Federn, Maria und Josef wurden einheitlich blau gekleidet. Die Erklärung der Schülerin: Man soll sehen, dass sie zusammengehören.
Die „neue“ Krippe soll in den nächsten Jahren zu Weihnachten immer wieder aufgebaut werden, das Arrangement der Figuren wird dabei den aufbauenden Händen überlassen, eine Möglichkeit, die Weihnachtsbotschaft im Sinne eines friedlichen Miteinanders immer wieder neu zu erzählen.
Angela Madaus