Rücklagen schrumpfen

Einstimmig im Gesamtkirchengemeinderat angenommen und 44 Seiten stark: seit März steht der Haushalt für 2018. Genau 2.361.971 Euro aus Kirchensteuereinnahmen hat die katholische Gesamtkirchengemeinde von der Diözese Rottenburg erhalten. 80 Prozent davon, erläutert Kirchenpfleger Kuno Auber, sind für die laufenden Kosten innerhalb der Kirchengemeinden in Reutlingen und der Gesamtkirchengemeinde vorgesehen. Die größten Positionen sind dabei die Pfarrbüros mit 362.186 Euro, die sechs Kindergärten mit 293.121 sowie die Gemeindezentren mit 219.010 Euro. Erfreulicherweise habe sich die wirtschaftliche Situation der Sozialstation positiv entwickelt, die jetzt keine Defizite mehr einbrächte, so Auber.Dies ist einer der Gründe, warum in diesem Jahr mit 479.585 Euro eine beachtliche Investitionssumme zur Verfügung stand. „So viel Geld wie noch nie.“ Dennoch: Eine halbe Million Euro musste eingespart werden. Vorhaben wie die Toilettensanierung in St. Peter und Paul oder die Heizungssanierung im Pfarrhaus Heilig Geist wurden daher auf das nächste Jahr verschoben, für die Sanierung des Kinderhauses St. Franziskus oder die Neugestaltung der Außenanlage in St. Wolfgang wurden schon Investitionsmittel des nächsten Jahres verplant, die restliche Summe aus den Rücklagen der einzelnen Kirchengemeinden und der Gesamtkirchengemeinde entnommen.

Neben diesen beiden Projekten werden in diesem Jahr die Kirchensanierung von St. Andreas und die Modernisierung des Gemeindesaals in St. Peter und Paul haushaltstechnisch abgewickelt. Und dann werfen schon die nächsten Großprojekte ihre Schatten voraus: die Sanierung des Kinderhauses in St. Franziskus muss auch 2019 finanziert werden und für St. Andreas ist der Neubau eines Gemeindezentrums für 2020/2021 geplant. Dafür werden Zuschüsse bei der Diözese beantragt.

Kuno Auber, der mit weiteren Mitarbeitern im katholischen Verwaltungszentrum für die Finanzen von 18 Kirchengemeinden (davon 13 Umlandgemeinden) zuständig ist, macht sich um die Entwicklung der laufenden Kosten wenig Sorgen. Erhöhte Personalaufwendungen oder mehr Heizungskosten seien unproblematisch. Kopfzerbrechen bereitet ihm indes die geschrumpften und weiterhin schrumpfenden Rücklagen für Investitionen in den kommenden Jahren. „Die Gebäude im Besitz der Einzelkirchengemeinden sind in die Jahre gekommen“, gibt Auber zu Bedenken, der mit weiterem finanziellen Bedarf für Sanierungsarbeiten und Renovierungsmaßnahmen rechnet. Für die Mietobjekte sei dies kein so großes Problem, weil von der Miete Rücklagen abgeführt und entsprechend verwendet werden können. Für die Kirchen und Gemeindehäuser sehe es anders aus. Den Vorschlag, Projekte über Kredite zu finanzieren, wie beispielsweise beim Umbau des Bea-Hauses geschehen, beurteilt Auber eher vorsichtig. Die Zins- und Tilgungsverpflichtungen würden dann zu höheren laufenden Kosten führen und somit den Handlungsspielraum für künftige Investitionen deutlich schmälern. Trotz seiner Prognose bleibt er aber zuversichtlich. Dass Kirchen oder Gemeindehäuser verkauft werden müssten, schließt er erstmal aus.

Dr. Monika Toman-Banke

(seit 1.4. 2018 zuständig für die Pressearbeit der katholischen Gesamtkirchengemeinde Reutlingen)