Charles Gounod (1818-1893) ist bekannt als Komponist des „Faust“ (auch unter dem Titel „Margarethe“ aufgeführt) und des „Ave Maria“. Der tief religiöse Gounod, der einige Jahre auch als Kirchenkapellmeister und Organist in Paris tätig war, komponierte verschiedene religiöse Werke, Oratorien und Kantaten, ein Requiem und 13 Messen, darunter auch einige für kleine Besetzungen. Die bekannteste Messe ist die Missa brevis (aux chapelles) Nr. 7, die der 75-Jährige drei Jahre vor seinem Tod schrieb. Sie besticht durch ihre Schlichtheit und die für die Spätromantik typischen langen Linien und Bögen, die den SängerInnen durchaus Konzentration abverlangen. Dem abgeklärten Musiker ging es in dieser Messe offensichtlich nicht (mehr!) um Bravour und Eleganz, sondern um den Ausdruck religiöser Innigkeit und innerer Sammlung.

Der ökumenische Chor, der am Ostersonntag diese Messe in Sankt Franziskus, Pliezhausen, zur Aufführung brachte, hatte sich auf den Anspruch des Komponisten eingelassen. Er bestand aus dem evangelischen Kirchenchor aus Häslach mit seinem Chorleiter Theo Neuscheler und dem katholischen Kirchenchor von Sankt Franziskus unter der Leitung von Dietmar Pietsch. Die Organistin war Frau Lehner aus Unterhausen. Das Einstudieren hat viel Freude bereitet und die Mühe hat sich gelohnt. Der lang anhaltende Beifall darf als Beleg für den Erfolg des Unternehmens gesehen werden! (Ein zweiter Aufführungstermin ist geplant für den 19.April 2015 in der evangelischen Kirche in Häslach.)

In seinen Osterpredigten betonte Pfarrer Hermann auffällige Gemeinsamkeiten der Evangelien von Ostersonntag und Ostermontag: Frauen sind die ersten Zeuginnen des Auferstandenen und seine ersten Gesandten, was von Paulus (in der Lesung des Ostermontags) unterschlagen wird:  Frauen sind auf dem Weg zum Grab und finden es leer, der Engel beauftragt sie, nach Galiläa zurückzugehen und den Jüngern die Botschaft von Jesu Auferstehung zu bringen. Maria Magdalena bringt Petrus und den anderen Jüngern die Nachricht von der Auferstehung des Herrn. Daraufhin eilen Petrus und Johannes zum Grab. Johannes ist schneller, lässt aber dem langsameren Petrus den Vortritt: Petrus geht in das Grab hinein, Johannes aber schaut nur hinein „und glaubt“. Man könnte es so interpretieren: Johannes verkörpert das Liebesgebot Jesu; die Liebe sieht und macht gläubig, d.h. vertrauensvoll. Petrus vertritt die Amtskirche; sie ist nicht unwichtig, aber nicht zentral. Zentral ist das Liebesgebot.

Im Evangelium von Ostermontag sind die Emmausjünger auf dem Weg: sie gehen  von Jerusalem nach Emmaus. In ihrer Trauer über den Tod Jesu versuchen sie einander eine Stütze zu sein. Jesus, den sie nicht erkennen, tritt zu ihnen und legt ihnen die Schrift aus. Beim Brotbrechen „gehen ihnen die Augen auf“, sie erkennen ihn. Eilends gehen sie den Weg zurück in die Stadt, um den dort versammelten Jüngern die frohe Botschaft zu bringen.

Die Erkenntnis des Auferstandenen geht also über die „Schau“: Sehen macht gläubig und Glaubende sind sehende Zeugen.

Angela Madaus