Im kommenden Jahr wird Jubiläum gefeiert. Dann ist es 15 Jahre her, dass die Citykirche als gemeinsame Einrichtung der katholischen und evangelischen Kirche ins Leben gerufen wurde. Die Idee, ein ökumenisch getragenes sogenanntes niederschwelliges christliches Angebot zu realisieren, gab es allerdings schon länger. Seit 2005 ist die Citykirche, beheimatet in der gotischen Nicolaikirche mitten in der Stadt, fester Bestandteil im kirchlichen wie auch städtischen Leben in Reutlingen. Gerade in den Sommermonaten käme viele Besucher, die Informationen suchten, oder sich die Kirche anschauen wollten und dabei zufällig in einem Gespräch über die Kirche von heute landeten, erzählt Ulrike Neher-Dietz von ihren Erfahrungen mit unterschiedlichen Besuchern. Sie ist von Anfang an als Pastoralreferentin von katholischer Seite aus dabei. Seit Januar 2019 ist die evangelische Pfarrerin Cornelia Eberle als zweite Hauptamtliche mit im Leitungsteam. Ökumene ist und bleibt ein wichtiges Thema in der Citykirche. Auch bei den Gästen. Viele wünschten sich mehr Gemeinsamkeiten und Zusammenrücken der beiden großen christlichen Kirchen.
 Wechselnde Ausstellungen, besondere Gottesdienste, Meditationsabende, spirituelle Impulse im Chorraum, ein Strickcafé, Adventliches oder inspirierende Atempausen in der Mittagszeit gehören zum Veranstaltungskalender der kirchlichen Einrichtung. Der Hospizdienst bietet ein Trauercafé an, die Caritas Sozialberatung und hilft beim Ausfüllen von Formularen -alles im Zeichen der Menschenfreundlichkeit Gottes, wie es auf den Internetseiten einladend heißt. Zudem gibt es das Café Nicolai, das von der Bruderhaus Diakonie betrieben wird und Menschen mit Handicap einen Arbeitsplatz bietet.

Zentrales Anliegen bleibt das Gesprächsangebot, den Namen Gottes „Ich bin da“ erlebbar machen, mit Achtung vor den verschiedenen Lebens- und Glaubensgeschichten. Wer reden möchte, findet ein offenes Ohr für seine Nöte und Probleme. Rund 120 Seelsorgegespräche führen die 24 Ehrenamtlichen um Neher-Dietz und Eberle jährlich mit Suchenden, vor allem in den dunklen Monaten. Lebensbewältigung, Beziehungen, Trauerarbeit seien hierbei die wichtigen Themen, sagt Neher-Dietz. Im rechten Augenblick da zu sein, zuhören zu können, Anker für Suchende zu sein – das sind Momente, aus denen auch die Ehrenamtlichen Energie für sich schöpfen können. Die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen sind froh über das ehrenamtliche Engagement und die Bereitschaft, eine „andere Art, Kirche zu leben.“ Dazu gehört die Offenheit für alle Menschen, unabhängig von der Konfessionszugehörigkeit. „Wir werten nicht unsere Gäste. Wir nehmen jeden, so wie er ist.“ Zudem sind die Mitarbeiter von Missionierung entfernt. „Die Gäste wissen, dass wir keine Verbindlichkeit einfordern. Sie können kommen und wieder gehen, wie sie wollen“, sagt Neher-Dietz, die manchmal aber schon gern gewusst hätte, wie der Lebensweg für einige der Besucher weitergegangen ist.

Wie sehr die Citykirche mittlerweile angenommen wird, zeigt zwar die Statistik, aber vor allem die vielen, vielen Gespräche, die für Neher-Dietz zur Bereicherung geworden sind. „Die Begegnung mit den Menschen, der Austausch von Lebens- und Glaubensgeschichten und das gemeinsame Suchen, nach dem, was im Leben trägt, ist das, was mich immer wieder erfüllt.“ (mto).

Bildunterschrift: Pastoralreferentin Ulrike Neher-Dietz und Pfarrerin Cornelia Eberle sind das ökumenische Leitungsteam der Citykirche. Bild: Citykirche

Kasten: Citykirche Am Nikolaiplatz 1 72764 Reutlingen Telefon 07121 372955

www.citykirche-reutlingen.de  Öffnungszeiten: Di-Sa 10-17 Uhr