Entstehung

Seit Ende 2014 ist bekannt, dass auch in Walddorfhäslach Flüchtlinge und Asylsuchende einziehen werden. Diese Menschen brauchen Wohnungen, und vor allem brauchen sie Menschen, die ihnen wohlwollend begegnen und die sich um sie kümmern. Was sie bestimmt nicht brauchen, sind fremdenfeindliche Vorurteile, Hass und Gewalt. Deshalb wurde der Arbeitskreis Flüchtlingshilfe Walddorfhäslach im Januar 2015 gegründet; die Initiative ging von engagierten Ehrenamtlichen der Evangelischen und der Katholischen Kirchengemeinde aus.

Kooperation mit der Ortsverwaltung

Wichtig war von Anfang an eine gute Zusammenarbeit mit dem Rathaus. Die Aufgabengebiete und Zuständigkeiten wurden abgeklärt, Informationen werden ausgetauscht und es gibt regelmäßige Treffen zwischen Bürgermeisterin Silke Höflinger und Mitgliedern des Arbeitskreises, in denen die aktuelle Entwicklung besprochen wird. Die Gemeinde sucht nach Wohnungen und Häusern, renoviert, wo nötig, und richtete die Wohnungen auch ein.

Vielfältige Unterstützung

Ehrenamtliche der Flüchtlingshilfe übernehmen vor dem Einzug auch mal einen Großputz und ergänzen die Ausstattung durch Sachspenden. Auch bei den Sachspenden (Abholung, Lagerung und Verteilung) gibt es einen ständigen Informationsfluss zwischen Verwaltung und Flüchtlingshilfe.

Bei einer Bürgerinformations-Versammlung am 23. April 2015 war die Flüchtlingshilfe mit einem Aufruf zur Mitarbeit dabei. Dort konnten sich interessierte Bürgerinnen und Bürger in Listen eintragen. So wurde schon vor der Ankunft der ersten Flüchtlinge ein Unterstützerkreis aufgebaut, zu dem inzwischen über 60 Personen gehören. Sie bringen sich bei Bedarf ein, z.B. durch Sachspenden, Fahrdienste, Kinderbetreuung, beim Reparieren von Fahrrädern, beim Deutschunterricht.

Café Mosaik

Am 17. September 2015 wurde der Treffpunkt Café Mosaik als Anlaufstelle für die Flüchtlinge und als Ort der Begegnung eröffnet. Der Treffpunkt ist im Katholischen Gemeindehaus Walddorf. Man habe es nicht Asyl-Café nennen wollen, sagte Gesine Gruhler vom Lenkungskreis der Flüchtlingshilfe Walddorfhäslach zur Begrüßung. „Ein Mosaik ist ein Bild aus vielen kleinen Steinen. Ich bin gespannt auf das Bild, das hier entstehen wird. Ein Bild von Neugier, von Freude, von gemeinsamem Leben.“ Wolfgang Prause erzählte, dass man sich schon im Januar dieses Jahres getroffen habe, um vorbereitet zu sein auf den Zustrom von Flüchtlingen. „Das war die richtige Entscheidung. Wir haben zusammen was auf den Weg gebracht.“ Neben Gruhler und Prause gehören zum Lenkungskreis Reiner Schenk (er kümmert sich um Medizinisches), Werner Bitzer (Finanzen), Gerd-Rüdiger Bewernik (mehr für das Praktische), Beate Gaiser (koordiniert die Sachspenden), Bernd Lämmle und Karl-Heinrich Schaal. Bürgermeisterin Silke Höflinger begrüßte die Flüchtlinge: „Liebe Neubürger, wir freuen uns, dass Sie da sind. Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass Sie hier eine würdige Unterkunft finden.“ An die Grundhaltung der Barmherzigkeit erinnerte der Hausherr, Pfarrer Dietmar Hermann: Gerade habe der Papst ein Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen. Sein evangelischer Amtskollege Hartmut Dinkel sprach von einer „Bereicherung für Walddorfhäslach“ und freute sich, dass man Kinder höre, die spielen, malen, Fahrrad fahren.

Das Café Mosaik ist geöffnet:

jeden zweiten Donnerstag, 17- 19 Uhr
im Katholischen Gemeindehaus Walddorfhäslach,
Waldenbucher Weg 2 in Walddorf

 

Dass es an unserem Ort Menschen gibt, die sich geduldig und freundlich um die Geflüchteten kümmern, ist sehr ermutigend. Wie viele Geschichten könnten wir uns erzählen – von Kindern, wie sie mehr oder weniger begeistert lernen, wie sie lachen, wie sie mit ihrer Lebendigkeit eine ganz besondere Dynamik in die Begegnungen bringen (nicht nur im Treffpunkt Mosaik). Von traurigen und fröhlichen Momenten mit den Männern, die als Einzelne hier sind. Von Familienvätern und –Müttern, vom mühsamen Deutschlernen, von „Absurdistan“-Erlebnissen und positiven Überraschungen mit Behörden.

Wir haben einmal – Stand Dezember 2017 – nachgezählt und sind auf über 50 Personen gekommen, die regelmäßig im Kontakt mit Flüchtlingen sind (als Paten, in der Nachhilfe und im Treffpunkt Mosaik). Ist das nicht zum Staunen? Darüber hinaus gibt es noch einmal so viele Menschen, die die Flüchtlingshilfe punktuell unterstützen, sei es durch wohlwollendes Nachfragen, durch Spenden, durch einzelne Hilfseinsätze oder durch ihr Gebet. Nur gemeinsam schaffen wir es, die Neuzugewanderten bei uns zu integrieren. Und es ist schön und bereichernd, dass es diese Gemeinsamkeit an unserem Ort gibt. Deshalb noch einmal: Danke!

Wie viele Flüchtlinge leben eigentlich bei uns?

Es sind – Stand Dezember 2017 – 81 Personen, davon 38 Kinder und Jugendliche. Insgesamt gibt es 10 Familien mit Kindern, ein Ehepaar und 16 Männer ohne Familienanschluss. Im nächsten Jahr kommen noch einmal vier Babys dazu!

Begegnung und Feiern – der Treffpunkt Mosaik

Die Kinder lieben den Treffpunkt Mosaik! Deshalb war es manchmal auch sehr laut. Inzwischen bietet ein Team jedes Mal ein Programm für Kinder an, das in einem extra Raum stattfindet, und dadurch ist es im Café-Bereich wieder ruhiger. Sehr beliebt ist es bei den Kindern, dass wir in diesem Jahr angefangen haben, die Geburtstage zu feiern. Bis das „Konzept Geburtstag“ allen klar war, hat es allerdings ein Weilchen gedauert. Da sind manchmal schon Tränen geflossen, weil man nur einmal im Jahr dran ist und nicht alle 14 Tage …
Wir danken auch der katholischen Kirchengemeinde, dass wir mit dem Treffpunkt Mosaik in ihr schönes Gemeindehaus dürfen.

Zum zweiten Mal haben wir im Dezember zu einer Weihnachtsfeier ins evangelische Gemeindehaus in Walddorf eingeladen. Stimmungsvolle Dekoration, Kerzenlicht, eine Weihnachtsgeschichte, weihnachtliches Gebäck und – ganz wichtig – die Bescherung sind Elemente dieser Feier, bei der hoffentlich auch etwas von dem deutlich wird, was viele von uns motiviert: die Menschenfreundlichkeit Gottes, der in unsere Welt kommt und dahin geht, wo es schwierig ist.

Hier ein paar Impressionen von verschiedenen Aktionen: