Zu diesem gestern bei Orschel-Hagen aufgenommenen schönen Blütenfeld und den Bäumen im frischen Grün, passt sehr gut diese Geschichte. Sie lädt ein die kindliche Gelassenheit, die jede und jeder im Leben geschenkt bekam, auch als Erwachsener – gerade in diesen Zeiten mit Sorgen um die Wirtschaft und Gesundheit – nicht zu vergessen. Ich wünsche einen gesegneten Sonntag!

Das weiße Tütchen
Als ich eines Tages mich auf einer Parkbank niederließ,

um über alles nachzudenken, was in meinem Leben schief läuft, setzte sich ein fröhliches Mädchen zu mir. Es spürte meine Stimmung und fragte: „Warum bist Du traurig?”
„Ach” sagte ich, „Manches läuft schief. Wir Menschen gehen uns gerade aus dem Wege.” „Hmmmm” meinte das Mädchen, „wo hast Du denn Dein weißes Tütchen? Zeig es mir mal. Ich möchte da mal reinschauen.”
„Was für ein weißes Tütchen?” fragte ich verwundert. „Ich habe nur ein schwarzes Tütchen.” Wortlos reichte ich es ihr. Vorsichtig öffnete es den Verschluss und sah hinein. Ich bemerkte, wie es erschrak: „Es ist voller Pessimismus und Sorgen!“ „Hier nimm!” meinte das Mädchen und reichte mir ein weißes Tütchen. „Sieh hinein!”
Ich öffnete das weiße Tütchen und konnte sehen, dass es voll war mit Erinnerungen an schöne Momente des Lebens. Und das, obwohl das Mädchen noch jung an Menschenjahren war.
“Wo ist Dein schwarzes Tütchen?” fragte ich neugierig. „Das werfe ich jede Woche in den Müll und kümmere mich nicht weiter darum.” sagte es. Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, mein weißes Tütchen voll zu bekommen. Da stopfe ich so viel wie möglich hinein. Und immer, wenn ich Lust dazu habe oder ich beginne, traurig zu werden, dann öffne ich mein weißes Tütchen und schaue hinein. Dann geht‘s mir sofort besser. Wenn ich mal alt bin und mein Ende droht, dann habe ich immer noch mein weißes Tütchen. Es wird voll sein bis obenhin und ich kann sagen, ja, ich hatte etwas vom Leben. Mein Leben hatte einen Sinn!”
Noch während ich verwundert über ihre Worte nachdachte, gab es mir einen Kuss auf die Wange und war verschwunden. Neben mir auf der Bank lag ein weißes Tütchen. Ich öffnete es zaghaft und warf einen Blick hinein. Es war fast leer, bis auf einen kleinen zärtlichen Kuss, den ich von einem kleinen Mädchen auf einer Parkbank erhalten hatte.
Bei dem Gedanken daran musste ich schmunzeln und mir wurde warm ums Herz.
Glücklich machte ich mich auf den Heimweg, nicht vergessend, am nächsten Papierkorb mich meines schwarzen Tütchens zu entledigen.
Verfasser unbekannt