Liebe ist… kennen Sie noch die kleinen Bilder und Sprüche aus den 70er Jahren mit diesem plastischen Einstieg? Nun, was ist die Liebe für uns? Suchen, Finden, Werden, Wachsen, neu Entdecken, Erfüllung, Sehnsucht, Gehaltensein, unermessliche Freude beim Zusammensein mit einem geliebten Menschen? Oder sie kocht Spätzla mit Soß und er wärmt ihre kalten Füße? Der Schwabe sagt „Du, i ko die leida“, darin steckt neben der Liebe, die wir so umschreiben, auch „Leid“, der Schmerz bei unerfüllter Liebe oder am Ende einer Liebesbeziehung.Das Hohelied der Liebe, dem die diesjährige ökumenische Bibelwoche vom 29.1. – 2.2. 2018 in Mittelstadt gewidmet ist, kennt diese Aspekte und benennt sie in lyrischen Gedichten. Nicht in der Art, dass sich ein Text am Zeilenende reimt. Nein, es sind Gedichte der hebräischen Art, die eine Sache beschreiben, ineinander wiederholend verwoben und variierend. Texte, die das Thema geradezu umschmeicheln.
Von Lebenskraft und der Fähigkeit Hindernisse oder tiefste Trauer zu überwinden ist die Rede, von Geduld und Hingabe. Von der Liebe als göttlichem Geschenk, von der Macht der Liebe. Brautpaare entscheiden sich häufig für die besser bekannte Form der Beschreibung der Liebe in Korinther 13 „Die Liebe ist langmütig und freundlich, hört niemals auf…“. Sie haben diese Textstelle sicher schon oft gehört.
Im Hohelied der Liebe hingegen sind die Texte durchaus mit handfester Lebensnähe, so nah, dass es früher Jugendlichen verboten war sie zu lesen. Ein Anlass, dessen Erzählung auch heute noch Konfirmanden dazu bewegt sich die Texte mal schnell reinzuziehen. In der wöchentlichen Gottesdienstpraxis werden diese Texte jedoch eher selten gebraucht. Manches ist auch sperrig zu lesen. Man weiß nicht wer spricht, ist es aus Sicht eines Mannes, einer Frau? Gilt es absolut dem Wortsinn nach, oder muss man hinter jedem Wort eine allegorische Bedeutung suchen? Da gehen die Ansichten im Laufe der Jahrhunderte doch weit auseinander.
Die ökumenische Bibelwoche mit Pfarrerin Gerlinde Henrichsmeyer, Diakon Roland Hummler und Pastor Ulrich Ziegler beleuchtet einige Aspekte der Texte. Die Chöre der drei beteiligten Gemeinden steuern das Ihre bei und spannen einen weiten Bogen, vom mittelalterlichen Liebeslied bis zu „Lobe den Herren“. Wunderbar im ökumenischen Gottesdienst einen so großen vollen Klangkörper zu erleben. Überhaupt ist das Singen ein nicht unerheblicher Teil des Sicht- und Hörbarwerdens übersprudelnder Lebensfreude.
Auch in der im Frühling erwachenden Natur spiegelt sich die Liebe Gottes zu uns Menschen. Und darin haben wir einen großen Schatz. Unsere Aufgabe ist es zuzuhören, zu sehen, aufzunehmen – bereit sein zu Teilen.
Und so sprechen wir uns das im Abendsegen zu: Du bist von Gott geliebt und gesegnet
Doris Kütterer