Es gibt derzeit viele verschiedene Reformaktivitäten mit dem Ziel, die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche zu erneuern. Der Synodale Weg, die sich in Vorbereitung befindende Weltbischofssynode (WBS) und der Konzilstag der Reforminitiative „Konzil-von-unten“, der am 24.9.in Rottenburg stattgefunden hat und an dem wir als Delegierte teilgenommen haben.

„Konzil-von-unten“ ist eine Reforminitiative der Reformgruppe „pro-concilio“, einer Reformgruppe in unserer Diözese sowie der Arbeitsgemeinschaft Rottenburger Priester und Diakone. Unterstützt wird das „Konzil-von-unten“ vom BDKJ, dem Katholischen Frauenbund und Maria 2.0.
Der Vormittag begann mit einer „Momentaufnahme“ zur Lage der kath. Kirche, es folgte ein von Vertreterinnen des BDKJ vorgetragener „Zwischenruf“ junger Menschen sowie ein theologisch und kirchenpolitisch exzellenter Vortrag der Tübinger Dogmatikern Prof. Dr. theol. Johanna Rahner.
Am Nachmittag berichteten kirchliche Mitarbeiterinnen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern über die dringend notwendigen Reformen. Anschließend wurden die 7 zentralen Reformforderungen erläutert, jeweils zur Abstimmung aufgerufen und mit überwältigender Mehrheit als „Rottenburger Manifest“ verabschiedet (gekürzt):

  1. Reformen herbeiführen – Wir brauchen ein neues Konzil der katholischen Weltkirche. Reformanliegen des Synodalen Wegs und gegebenenfalls der WBS, die nur von einem Konzil entschieden werden können, sollen dort eingebracht werden.
  2. Sprachbarrieren in der Kirche überwinden – Wir brauchen eine verständliche und ansprechende Verkündigung. Glaubensinhalte sowie die kirchliche und liturgische Sprache müssen für alle Generationen verständlich sein.
  3. Machtstrukturen und die monarchische Verfassung überwinden – Wir brauchen mehr Synodalität und Basisbezug bei Entscheidungsprozessen. Eine „Vielfalt in der Einheit“ ist angemessener als römischer Zentralismus.
  4. Ungleichheit und Ungerechtigkeit überwinden – Wir brauchen eine Gleichstellung der Geschlechter. Der Zugang zu den Weiheämtern ist allen Geschlechtern gleichermaßen zu ermöglichen.
  5. Die Verpflichtung zum Zölibat überwinden – Wir brauchen vielfältige Zugänge zum kirchlichen Amt. Weiheämter dürfen nicht an die zölibatäre Lebensform gebunden sein.
  6. Die starre Sexualmoral der Kirche überwinden – Wir brauchen lebbare und dem Gewissen verpflichtete moralische Orientierungen. Kein Mensch darf auf Grund seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Wiederverheiratete Geschiedene sollen in voller Gemeinschaft mit der Kirche verbleiben können, ohne vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen zu sein.
  7. Die Trennung zwischen den Kirchen überwinden – Die Zukunft des Christentums ist ökumenisch – oder gar nicht.

Das „Rottenburger Manifest“ wurde dann an Bischof Dr. Gebhard Fürst und Dr. Johannes Warmbrunn, Sprecher des Diözesanrates übergeben und im Anschluss allen Mitgliedern der Dt. Bischofskonferenz, dem Organisator der WBS, dem ZDK, dem Präsidium des Synodalen Wegs und dem Papst übersandt.
Danach sind wir in einem Demonstrationszug zum Dom gelaufen und haben mit einer Menschenkette den Dom „umarmt“ um zu zeigen, dass wir Reformer in unserer Kirche stehen und dass wir uns unsere Kirche nicht nehmen lassen.
Den Abschluss bildete eine gemeinsame Eucharistiefeier im Dom mit zwei Männern und zwei Frauen am Altar.
Der Austausch mit gleichgesinnten, die die gleichen Probleme, das gleiche Zweifeln am Erfolg haben, aber trotzdem nicht aufgeben, hat uns Kraft gegeben und ermutigt uns, weiter für Reformen einzutreten.
Wenn Sie von der Notwendigkeit von Reformen überzeugt sind, treten auch Sie bitte für diese ein. Lassen Sie sich nicht durch eine kleine Anzahl von (lauten) Bewahrern davon abhalten. Veränderungen kommen nur durch Druck von unten zustande.
Glauben Sie nicht den Schlagworten „Reformen interessieren nur in D“ oder „In einer Weltkirche geht das nicht“. Der Synodale Weg wird überall auf der Welt mit Interesse verfolgt und auch unterstützt. Auch das zweite Vatikanische Konzil akzeptierte Ungleichzeitigkeiten (d.h. ein Teil der Weltkirche ist noch nicht so wie eine Reform umzusetzen). Wenn etwas theologisch legitim und gut begründet ist, kann eine Ortskirche über die Einführung entscheiden, die sie als notwendig erachtet. So geschehen beim Thema ständiger Diakon, wieso soll es bei dem Thema katholische Pfarrerin nicht gehen?

Sehr gefallen hat uns der Schlusssatz von Frau Prof. Dr. Rahner, dieser lautete „Hören Sie auf lieb zu sein“. Beispiele hierfür gibt es einige:

  • Das Outing der 125 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der kath. Kirche, die sich als queer geoutet haben und mit der Aktion „out in Church“ ein Ende der Diskriminierung innerhalb der Kirche gefordert haben .
  • Die Gemeindeleiterin Monika Schmid aus der Schweiz, die bei der hl. Messe zu ihrer Verabschiedung das Hochgebet zur Wandlung in abgewandelter Form allein gesprochen und den Gottesdienst und die restliche Wandlung mit zwei Priestern, einem Diakon und einer weiteren Frau konzelebriert hat.
  • Ein Teil der Ministranten und Ministrantinnen des Bistums Köln, die bei ihrer Miniwallfahrt in Rom im September ihrem Bischof Kardinal Wölki bei dessen Predigt ihren Rücken zugedreht haben.
  • Die Stadt Schwäbisch Gmünd und deren Bürgermeister, die einen Empfang für Kardinal Koch und seinen Eintrag ins goldene Buch am 1.10. für seine verbale Entgleisung gegen den Synodalen Weg abgesagt haben.

Weitere Informationen und Texte finden Sie auf www.konzil-von-unten.de

Wolfgang Lachenmann und Manfred Göttler